Maria Temnitschka, transition 2-33, 2017

Das Buch. Die Kunst. Das Lesen

Beiträge aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Keramik, Papierkunst, Fotografie, Installation und Zeichnung

Bücher inspirieren. Nicht nur Leser, sondern auch Künstler. Und Bücher sind selbst Kunst oder können es sein. Thema der vorliegenden Ausstellung ist jene zeitgenössische Kunst, die rund um das Thema Buch und Lesen entstanden ist.

Schon in den Anfängen des Buches war es eng mit den Künsten verflochten. Zunächst vorrangig durch oft prachtvolle Buchmalereien, später durch die Buchbinderei als besondere Kunstsparte. Und auch heutzutage beschäftigen sich Kunstschaffende mit den Themen Sprache, Lesen, Schreiben in ihren künstlerischen Disziplinen. Die Faszination Buch ist im Zeitalter von Internet und neuen Medien ungetrübt, denn trotz eBooks und Wissens-Clouds halten wir noch immer gerne ein richtiges Buch in den Händen – schließlich steckt im Begreifen auch das Greifen – und noch nie wurden so viele Bücher gedruckt wie heute. So ist es Ziel der Ausstellung, das Buch in zahlreichen Facetten als Wissens- und Kulturträger zu würdigen und mit den Mitteln der zeitgenössischen bildenden Kunst neue Wege zur Leselust zu eröffnen. Die Ausstellung spielt teils augenzwinkernd mit der Bedeutung des Buches sowie der faszinierenden Grunddynamik von Form und Inhalt. Handgeschöpfte Seiten, wellig und voluminös zu buchartigen Objekten vernäht, kontrastieren mit der glatten Haptik des gegossenen Porzellans, das eine zerbrechliche und vielleicht auch sterile Büroatmosphäre evoziert. Bücher aus gerostetem Stahl, kommen dem skulpturalen Ewigkeitsanspruch, wie ihn manche Literatur auch hat, erfolgreich nah, während geschredderte und zu Blöcken verdichtete Bücher nur mehr über den Titel ihren ursprünglichen literarischen Gehalt verraten. Den architektonischen Hintergrund zum Thema Buch bilden wiederum Fotografien von Bibliotheken, während Skizzen- und Malbücher, die objekthaft in Rahmen und Behältern präsentiert werden, für farbliche Akzente in der Ausstellung sorgen. Ebenso sehen wir Bilder von Bücherschränken und -stapeln, die ihrem ursprünglichen Umfeld entzogen und in einen imaginären Raum malerisch transferiert wurden. Raumfüllend erscheinen die mit geheimnisvollen Zeichen und Symbolen übersäten Buchobjekte, die den skulpturalen Schwerpunkt der Ausstellung akzentuieren. Und zu guter Letzt öffnet eine Türschnalle auf einem Buch das Tor zum Inneren der Bücher. Denn ist das eigentliche Wesen des Buches nicht ohnehin das, was sich Form und Substanz entzieht?

So bietet die Ausstellung nicht nur Einblick in die Welt der Kunst rund ums Buch, sondern auch die Möglichkeit, Materialien kennen zu lernen und das menschliche Denken, Wissen und Erzählen einmal ganz plastisch, halb ehrfurchtsvoll, halb freundlich-ironisch, vor Augen geführt zu bekommen.

Konzept und Kuratierung: Judith P. Fischer

Ausstellungstermine

3. 3.–18. 3. 2018 • Stadtkeller, Neulengbach
19. 5.–3. 6. 2018 • Haus der Kunst, Baden
28. 6.–15. 7. 2018 • Kulturschloss Reichenau, Reichenau an der Rax
11. 8.–26. 8. 2018 • Schüttkasten Allentsteig, Allentsteig
10. 11.–9. 12. 2018 • LANGENZERSDORF MUSEUM, Langenzersdorf